Datenschutz & VPN-Grundlagen

No-Logs-VPN 2025 – was bedeuten „keine Protokolle“ wirklich?

Symbolbild: VPN-Schutz ohne Protokollierung von Nutzerdaten

Fast jeder Anbieter wirbt heute mit einem „No-Logs-VPN“. Aber was heißt das konkret? Speichert der Dienst wirklich gar nichts – oder klingen die Werbetexte nur gut, während im Hintergrund trotzdem deine IP-Adresse, Zeitstempel und Verbindungsdaten mitlaufen?

Stell dir vor, du müsstest einem Anwalt oder Journalisten erklären, warum genau du einem VPN-Anbieter vertraust. Nach diesem Guide kannst du das – mit klaren, technischen Argumenten statt Marketing-Floskeln.

Schnelle Antwort: Ein seriöses No-Logs-VPN speichert keine dauerhaft identifizierenden Logs zu deiner IP-Adresse, den aufgerufenen Seiten oder Zeitpunkten. Kurzfristige technische Daten dürfen im RAM existieren, werden aber nicht auf Festplatten geschrieben und können später nicht rekonstruiert werden. Belege dafür sind unabhängige Audits, Gerichtsfälle ohne Datenherausgabe, RAM-Only-Server und eine klare, technisch nachvollziehbare Datenschutzrichtlinie.

Empfohlene No-Logs-VPNs (kurze Auswahl)

Wenn du keine Lust hast, Dutzende Anbieter zu vergleichen, sind diese zwei Dienste ein solider Startpunkt:

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1. Welche Arten von VPN-Logs gibt es überhaupt?

Bevor wir über „No Logs“ sprechen, musst du wissen, welche Arten von Logs ein VPN überhaupt anlegen kann. Nicht alle sind gleich kritisch – manche sind für den Betrieb unvermeidbar, andere sind für deine Privatsphäre hochgefährlich.

Log-Typ Beschreibung Risiko für die Privatsphäre
Nutzungs-Logs Protokollieren, welche Webseiten du besuchst, welche Dienste du nutzt oder welche Dateien du lädst. Sehr hoch – damit lässt sich dein Surfverhalten direkt nachzeichnen.
Verbindungs-Logs Speichern IP-Adresse, Zeitstempel, Serverstandort und übertragene Datenmenge. Mittel bis hoch – kann zur deanonymisierung dienen, v. a. in Kombination mit anderen Daten.
Diagnose-Logs Fehlermeldungen, Abstürze, anonyme Telemetrie zur Stabilität. Gering, solange wirklich anonymisiert und nicht mit Konten/IPs verknüpft.

Ein echtes No-Logs-VPN verzichtet auf dauerhafte Nutzungs- und Verbindungs-Logs. Kurzfristige Session-Daten im Arbeitsspeicher sind technisch notwendig, dürfen aber nicht auf Festplatten landen und müssen nach der Sitzung gelöscht werden.

Wenn du neu bei VPNs bist, hilft dir vielleicht zuerst ein Blick auf unseren Einstieg „Was ist ein VPN?“, um die Grundlagen zu verstehen.

2. Wie sieht ein seriöser No-Logs-Ansatz in der Praxis aus?

Moderne Premium-Anbieter kombinieren mehrere technische und organisatorische Maßnahmen, um ein No-Logs-Versprechen belastbar zu machen. Marketing-Slogans allein reichen nicht.

Merksatz: Je weniger ein VPN-Anbieter über sich verraten muss, desto mehr sollte er über seine Infrastruktur offenlegen – insbesondere über Audits, RAM-Only-Server und Gerichtsfälle.
Maßnahme Wirkung auf die Privatsphäre Fragen, die du stellen solltest
RAM-Only-Server Alle Daten liegen nur im Arbeitsspeicher; ein Neustart löscht alles automatisch. „Laufen wirklich alle Produktiv-Server ohne Festplatte? Seit wann?“
Unabhängige Audits Sicherheitsfirmen prüfen Code, Infrastruktur und Log-Verhalten. „Gibt es veröffentlichte Audit-Berichte mit Datum und Name der Firma?“
Eigene DNS-Server Deine DNS-Anfragen bleiben im Tunnel und gehen nicht an Drittanbieter. „Nutzen sie eigene, nicht protokollierende DNS-Server?“
Gerichtsfälle / Beschlagnahmungen Reale Fälle, in denen trotz Beschlagnahmung keine Logs vorlagen. „Gibt es dokumentierte Fälle, in denen keine Daten übergeben werden konnten?“

Anbieter wie NordVPN oder Surfshark setzen z. B. auf WireGuard-Varianten wie NordLynx, die mit minimalen Meta-Daten arbeiten, sowie auf regelmäßige externe Audits. Mehr zu Protokollen findest du im Guide „VPN-Protokolle im Vergleich“.

3. Kurzes Video: Was bedeutet das No-Logs-Versprechen?

Dieses englische Video erklärt anschaulich, warum eine strenge No-Logs-Politik für VPN-Anbieter entscheidend ist und welche technischen Lösungen dahinterstecken.

Falls das Video nicht lädt, kannst du es direkt auf YouTube öffnen: „Does NordVPN collect data?“ .

4. Jurisdiktion, Warrant Canary & Transparenzberichte

Technik ist nur eine Seite – die andere ist die Rechtslage. Ein Anbieter kann technisch perfekt aufgestellt sein, aber in einem Land sitzen, in dem geheime Anordnungen zur Datenübergabe möglich sind.

Wichtige Bausteine:

  • Datenschutzfreundliche Jurisdiktion: z. B. außerhalb der 5/9/14-Eyes-Geheimdienstbündnisse.
  • Transparenzberichte: regelmäßige Veröffentlichung von Anfragen von Behörden.
  • Warrant Canary: Hinweis, dass bisher keine geheimen Anordnungen erfolgt sind (mit Datum).

Wichtig: Ein Warrant Canary ist kein Zaubertrick – aber in Kombination mit nachvollziehbaren No-Logs-Maßnahmen ist er ein weiteres Puzzlestück, das Vertrauen schafft.

Wenn du wissen willst, wie sich das rechtlich in Deutschland verhält, lies danach unseren Artikel „Ist ein VPN legal?“.

5. Typische Marketing-Tricks rund um „No Logs“

Leider nutzen viele Billig-Anbieter den Begriff „No Logs“ als reines Buzzword. Typische Warnsignale sehen so aus:

  • Die Datenschutzrichtlinie ist extrem kurz oder nur allgemein gehalten.
  • Es werden „Aggregatdaten“ oder „Service-Logs“ erwähnt, ohne technisch zu erklären, was genau gespeichert wird.
  • Es gibt keine unabhängigen Audits, nur interne Behauptungen.
  • Der Dienst ist kostenlos, blendet aggressive Werbung ein oder verkauft Zusatz-„Security-Tools“.
Aussage auf der Webseite Was es bedeuten kann Was du tun solltest
„Wir speichern keine sensiblen Daten“ Oft werden IP-Adressen oder Zeitstempel nicht als „sensibel“ betrachtet. In der Policy prüfen, ob IPs oder Zeitstempel explizit ausgeschlossen sind.
„Nur minimal notwendige Logs“ Kann alles heißen – inklusive umfangreicher Verbindungs-Logs. Support fragen, welche Felder genau gespeichert werden und wie lange.
„Wir geben Daten nur auf richterliche Anordnung weiter“ Klingt gut, impliziert aber, dass Daten vorhanden sind. Bevorzuge Anbieter, die klar sagen: „Wir haben technisch nichts, was wir übergeben können.“

Gerade bei komplett kostenlosen VPNs solltest du extrem skeptisch sein. Irgendwoher müssen die Einnahmen kommen – oft durch Werbung oder das Auswerten von Nutzungsdaten.

6. Wie du für dich das passende No-Logs-VPN auswählst

Am Ende geht es nicht darum, den „perfekten“ Dienst zu finden, sondern einen, der zu deinem Risiko-Profil passt. Ein Student, der nur gegen Geoblocking ankommt möchte, hat andere Anforderungen als ein Journalist in einem autoritären Staat.

  1. Definiere dein Ziel: Streaming, öffentliches WLAN, Filesharing, Arbeit, Journalismus etc.
  2. Prüfe die Technik: RAM-Only, moderne Protokolle (WireGuard/NordLynx), eigene DNS-Server.
  3. Prüfe Belege: Audits, Gerichtsfälle, Reviews von vertrauenswürdigen Quellen.
  4. Lies die Policy: gehe Abschnitt für Abschnitt durch, statt nur überfliegend zu scannen.
  5. Teste im Alltag: Geschwindigkeit, Stabilität, Verhalten bei Verbindungsabbrüchen (Kill Switch).

Mehr zur technischen Feinabstimmung findest du in unserem Guide „Optimale VPN-Einstellungen“ sowie im Artikel „DNS-Leaks erkennen und vermeiden“.

7. Konkrete Empfehlungen: zwei No-Logs-VPNs für den Alltag

Wenn du nach der Theorie jetzt einfach starten möchtest, sind diese zwei Anbieter ein guter Kompromiss aus Preis, Performance und dokumentierter No-Logs-Politik:

Beide Dienste bieten Geld-zurück-Garantien, sodass du sie risikofrei testen kannst. Vergiss nicht, auch den Kill-Switch zu aktivieren – er ist ein wichtiger Teil deiner Gesamt-Privatsphäre.

FAQ: Häufige Fragen zu No-Logs-VPNs

Speichert ein No-Logs-VPN wirklich keine IP-Adressen?

Ein seriöser Dienst speichert deine persönliche Ausgangs-IP-Adresse nicht dauerhaft. Intern kann sie kurzzeitig für die Sitzungsverwaltung im RAM verwendet werden, wird aber nach der Verbindung entfernt und nicht mit deinem Konto verknüpft.

Kann ein Gericht einen No-Logs-Anbieter trotzdem zwingen, Daten herauszugeben?

Ein Gericht kann immer Anfragen stellen – die entscheidende Frage ist, ob überhaupt etwas vorhanden ist. Bei echten No-Logs-Anbietern führen solche Anfragen in der Praxis oft zu der Antwort, dass keine verwertbaren Daten gespeichert werden.

Ist ein No-Logs-VPN automatisch anonym?

Nein. Anonymität hängt auch von deinem Verhalten ab: verwendete Geräte, Browser-Fingerprinting, Konten, in die du eingeloggt bist, etc. Ein No-Logs-VPN ist ein wichtiger Baustein, ersetzt aber kein durchdachtes Sicherheitskonzept.

Reicht ein kostenlos VPN mit angeblicher No-Logs-Policy?

In der Regel nicht. Schau dir unbedingt unseren Vergleich „Kostenloses vs. bezahltes VPN“ an, um zu verstehen, warum kostenlose Dienste oft ein verstecktes Geschäftsmodell haben.

Verfasst von Denys Shchur – unabhängiger VPN-Tester und Gründer von VPN World.